Wenn Leitmedien die Grundsätze qualitätiv guter Arbeit vergessen und in die PR-Falle tappen

Heute ist wieder so ein Tag, der gute Trump-Schlagzeilen abwirft. Der Sonderermittler zu den Vorwürfen, Russland habe möglicherweise die Wahlen in den USA beeinflusst, hat eine Grand Jury eingesetzt, die auch mögliche Verwicklungen des Trump-Teams in das Thema untersuchen soll. Trump selbst weist jegliche Verwicklungen (selbstverständlich) zurück wird wird unter anderem von sueddeutsche.de, spiegel.de und in WDR 5 mit den folgenden Worten zitiert. „Die Russland-Geschichte ist eine totale Erfindung“. Und es folgt die Begründung des Präsidenten, ebenfalls als Zitat: „Es gab keine Russen in unserem Wahlkampfteam, das war niemals der Fall“.

Für die Leser und Hörer, wirkt es also so, dass Trump klar Stellung zu Vorwürfen bezieht, die gegen ihn erhoben werden. Das ist aber gar nicht der Fall, denn es gibt keinen Vorwurf, der lautet: Donald Trump hat einen in seinem Wahlkampfteam einen Mitarbeiter beschäftigt, der (wie auch immer geartet) von Russland bezahlt wurde.

Es wäre also dringend notwendig, dem Zitat der Begründung einen einordnenden Satz beizufügen, der beispielsweise erklärt: ‚Solch ein Vorwurf stand bisher jedoch gar nicht im Raum, zu den eigentlichen Vorwürfen äußerte sich der Präsident jedoch nicht.‘

Warum dieser oder ein ähnlicher Zusatz wichtig ist, zeigt sich, wenn man sich (die von mir vermutete) PR-Strategie hinter der Äußerung von Donald Trump ansieht. Durch die Aussage kann der US-Präsident von den eigentlichen Vorwürfen ablenken und den Fokus (oder wie man so gerne im Neusprech formuliert: Das Narrativ) der Geschichte so lenken, dass man ihm völlig zu Unrecht falsche Dinge unterstellt. Er versucht mithin, die Deutungshoheit über dieses Thema zu gewinnen. Zudem kann er zudem – falls ihm eine Verbindung zu russischen Akteuren nachgewiesen werden sollte –  immer behaupten, er habe die Wahrheit gesagt und niemals gelogen. Denn ich denke, Trump sagt hier die Wahrheit. Es hat sicher keinen Angestellten in seinem Wahlkampfteam gegeben, der auch auf einer staatlichen russischen Gehaltsliste stand. Aber wie gesagt, das steht auch nicht zur Debatte.

Aus der Sicht des US-Präsidenten und seiner PR-Berater ist diese PR-Strategie als Teil einer Krisenkommunikation legitim. (Ob sie gut und sinnvoll ist, kann anderweitig diskutiert werden). Was aus meiner Sicht aber wirklich problematisch ist: Besonders Teile der Leitmedien, die mit Qualitätsjournalismus werben, müssen in der Lage sein, solche eine PR-Strategie zu erkennen und entsprechend einzuordnen. Sonst machen Sie keinen guten Job, wie die Artikel der Online-Portale von Spiegel und Süddeutscher Zeitung zeigen. Sie tappen blind in die PR-Falle von Donald Trump.

Wie es besser geht, sieht man an der Zeit. Sie erwähnt das Zitat gar nicht und bietet heute (4.8.2017) zudem auf der Startseite noch viel prominenter einen einordnenden Artikel an, der ausführlich über das Thema berichtet.

 

 

Und alle laufen in Trumps Falle

Es ist reizvoll und erleichternd, sich über Donald Trumps verkündeten Abschied von dem Pariser Klimaabkommen aufzuregen und den amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten als dumm, ignorant und unwissend anzusehen. Aber: Ist das richtig?

Schieben wir unseren reflexhaften Ärger, unsere Wut und unsere Ohnmacht gegenüber Trumps Handlungen mal für einen Moment bei Seite und nehmen wir mal an, da sitzt nicht ein selbstverliebter Volltrottel im Oval Office sondern der Präsident und sein Beraterstab um Steve Bannon wissen sehr genau, was sie tun.

Gehen wir jetzt zu der Zeit vor der Verkündung des Bruchs mit dem Klimaabkommen zurück und sehen uns die Situation Trumps an. Da ist ein Präsident, der seinen Wählern versprochen hat, gegen das politische Establishment anzugehen, Obamas Klimapolitik rückgängig und Amerika wieder großartig zu machen und hundertausenden Jobs zu schaffen. Wegen dieser Aussagen und wegen der Versprechen, das Land durch Abschottung (unter anderem durch eine Mauer an der mexikanischen Grenze) sicherer zu machen und Obamacare abzuschaffen, ist Trump ins Weiße Haus gewählt worden.

Das mit der Abschottung, dem Mauerbau und der Abschaffung von Obamacare hat bisher noch nicht so ganz funktioniert. Dringend Zeit also für Trump, einen politischen Erfolg zu feiern. Da ist der Ausstieg aus dem Klimaabkommen nur konsequent. Trump weiß jedoch durch seine ihn beratende Tochter Invanka und dessen Mann Jared Kushner, was für die Welt einerseits (Who cares. Their problem. DEAL WITH IT) und die Vereinigten Staaten andererseits auf dem Spiel steht.

Trotzdem entscheidet sich Trump für den Ausstieg – und hier kommt meine These -, weil er die Auswirkungen seiner Handlung genau abgeschätzt hat. Gucken wir uns dazu die Reaktionen auf Trumps Entscheidung genau an.

Viele führenden Wirtschaftslenker US-amerikanischer Unternehmen haben schon vor der Entscheidung (Thanks folks. Great guys. THE BEST) erklärt, diese zu ignorieren und den Weg, auch weiterhin klimafreundliche Unternehmensentscheidungen treffen zu wollen.

Viele Politiker US-amerikanischer Städte und Bundesstaaten (Bunch of loosers. SO PREDICABLE) haben ebenfalls signalisiert, weiter in Sinne des Klimaabkommens agieren zu wollen. Und die politische Weltöffentlichkeit (Have they paid all their bills yet? THIS WILL CHANGE) gibt den Chor der Empörung und versucht den Präsidenten, doch noch zum Umdenken zu bewegen.

Blicken wir nun genauer auf die Paragrafen des Pariser Abkommens. Die USA können frühestens nach drei Jahren offiziell den Austritt beantragen – und dann dauert es noch ein Jahr, bis der Austritt offiziell ist.

Als Gemengelage ergibt sich also:
•  Die amerikanische Wirtschaft macht trotzdem weiter, weil sie weiß, dass sie sonst den Anschluss verliert
•  Die überwältigende, weltweite Mehrheit der politischen und medialen Kasten ist entsetzt und zetert hyperventilierend und reflexhaft.
•  Die internationalen Staatsoberhäupter fordern Trump auf seine Entscheidung zu widerrufen und es gibt zarte Andeutungen, dass das Pariser Klimaabkommen nun auch von anderen Seiten angezweifelt wird.

All das spielt Trump in die Karten. Er hat nun sein Wahlversprechen eingelöst, ohne, dass es in Realität große Auswirkungen hat. Der Pro-Paris-Teil der Wirtschaft hält an ihrem Kurs fest und so entstehen neue Arbeitsplätze. Gleichzeitig entstehen weitere Arbeitsplätze in der Öl- und Kohleindustrie, die einen letzten späten und vermutlich kurzen Frühling erwartet. Damit kann sich Trump im nächsten Wahlkampf mit zwei bis drei weitere eingelöste Wahlkampfversprechen brüsten: Neuen Job, die er geschaffen hat und rund 1,5 Milliarden eingesparte Dollar. die wären dann für die Finanzierung der Mauer frei. (Always told you. I’m the only one who can. THE BEST). Seine Anhänger werden ihn dafür lieben, die Kleinigkeit, dass die Wirtschaft sich in großen Teilen trotz Trumps Entscheidung modernisiert und deshalb gut entwickelt hat: geschenkt. Das kriegt FOX schon irgendwie versendet. Eh zu komplizert. (Zudem: Nach drei Jahren kann Trump immer noch seinen Rückzieher vom Rückzieher machen, falls nötig. Für seinen schottischen Golfplatz hat er ja auch schon Maßnahmen ergriffen, um ihn vor dem Klimawandel zu schützen.)

Und international verdeutlicht man durch die Reaktionen und die Bettelei, dass man immer noch der Überzeugung ist, dass es ohne die USA nicht gehen kann. Das hat selbst Merkel in ihrer Bierzeltrede ziemlich unverblümt gesagt. Macron ebenso. Trump kann also zuhause vorweisen: Ohne uns, ohne mich läuft nix. Ich sage, wo es lang geht. (Bunch of loosers. Just listen to daddy. ALWAYS TOLD YOU)

Was also tun? Wir – die Welt – müssen aufhören, immer erst auf das Weiße Haus zu schielen. Wir müssen agieren. Selbstständig, gerne mit den USA, aber im Notfall auch ohne sie. Es gibt eben nicht nur rote Linien, die mit viel Getöse bei Giftgasangriffen auf die eigene Bevölkerung überschritten werden, sondern auch welche, die leise durch feine Undiplomatie von gewählten Politikern übertreten werden.

Etwas zugespitzt: Ich freue mich auf den großen Staatsmann, der sich traut, das auch mal zu benennen und dem großen blonden Mann die verbale Ohrfeige zu geben, die er verdient hat. „The United States are a regional power whos actions are a sign of weakness rather than strength. The world will deal with this but continue on their path nevertheless.“

Drei Worte, die die Logistik- und Eventbranche umkrempeln werden

what3words_ausbrecher_blogNeue Dinge sind ja (fast) immer völlig befremdlich. So auch in diesem Fall: Die eigene Adresse besteht aus nur drei Worten. Egal, wo man auf der Welt ist. Klingt verrückt, aber dahinter steht ein schlaues Konzept. Denn nicht überall auf der Welt kommt man mit einer herkömmlichen Adresse ans Ziel. Hier in Europa funktioniert die Zuordnung über Städte, Postleitzahlen, Straßen und Hausnummern eigentlich immer, aber weltweit sollen laut what3words, den Erfindern des Systems, 135 Länder unter einem ungenügendem Adressystem leiden. In der Mongolei bei den Nomaden zum Beispiel ist das ein Problem.

Wer nun denkt, dass die Mongolei weit weg von unserem Alltag ist und der Nutzen des neuen Koordinatensystems für uns daher völlig irrelevant, liegt völlig falsch. Wer schon mal versucht hat, sich etwa bei Rock am Ring gezielt zu treffen, weiß, wie schwer das ist. Eine verständliche Koordinate im Form von drei Worten kann enorm helfen, den richtigen Ort zu finden. Zumal jede dieser Koordinaten ein 3×3 Meter großes Feld beschreibt. Das ist – global gesehen – auf den Punkt.

Der Nutzen bleibt auch nicht auf private Zwecke beschränkt. Die Logistikbranche dürfte sich intensiv mit what3words beschäftigen. Ob es um die Platzierung von Wechselbrücken, die Lokalisierung von Containern oder die Anlieferung von Gütern an Messe- oder Veranstaltungsorte geht – das Konzept der Drei-Wort-Koordinaten hat das Zeug, die Arbeitsabläufe fundamental zu ändern. Auch für die Eventbranche eröffnen sich vor allem bei Großveranstaltungen völlig neue Möglichkeiten: Zum Beispiel können Planungen leicht verständlich präzisiert werden (wo soll XY platziert werden?) und auch bei dem Service gegenüber den Gästen hilft das System von what3words (XYZ finden Sie …) .

Jetzt gilt es, die Möglichkeiten dieser Technologie auszuloten und kreative Umsetzungen zu finden. Die App von what3words gibt es übrigens kostenlos für iOS und Android.

PS: Und wer jetzt nach Traumadressen sucht, dem sei gesagt: lieben.hoffnung.freude liegt in Shanghai, China, finde.beste.lösung im Urwald von Venezuela und geld.erfolg.ruhm gibt es im kleinen Waldow zwischen Cottbus und Berlin.

Das Büro der Ausbrecher übrigens ist hier zu finden: immer.abspielen.seine