Drei Worte, die die Logistik- und Eventbranche umkrempeln werden

what3words_ausbrecher_blogNeue Dinge sind ja (fast) immer völlig befremdlich. So auch in diesem Fall: Die eigene Adresse besteht aus nur drei Worten. Egal, wo man auf der Welt ist. Klingt verrückt, aber dahinter steht ein schlaues Konzept. Denn nicht überall auf der Welt kommt man mit einer herkömmlichen Adresse ans Ziel. Hier in Europa funktioniert die Zuordnung über Städte, Postleitzahlen, Straßen und Hausnummern eigentlich immer, aber weltweit sollen laut what3words, den Erfindern des Systems, 135 Länder unter einem ungenügendem Adressystem leiden. In der Mongolei bei den Nomaden zum Beispiel ist das ein Problem.

Wer nun denkt, dass die Mongolei weit weg von unserem Alltag ist und der Nutzen des neuen Koordinatensystems für uns daher völlig irrelevant, liegt völlig falsch. Wer schon mal versucht hat, sich etwa bei Rock am Ring gezielt zu treffen, weiß, wie schwer das ist. Eine verständliche Koordinate im Form von drei Worten kann enorm helfen, den richtigen Ort zu finden. Zumal jede dieser Koordinaten ein 3×3 Meter großes Feld beschreibt. Das ist – global gesehen – auf den Punkt.

Der Nutzen bleibt auch nicht auf private Zwecke beschränkt. Die Logistikbranche dürfte sich intensiv mit what3words beschäftigen. Ob es um die Platzierung von Wechselbrücken, die Lokalisierung von Containern oder die Anlieferung von Gütern an Messe- oder Veranstaltungsorte geht – das Konzept der Drei-Wort-Koordinaten hat das Zeug, die Arbeitsabläufe fundamental zu ändern. Auch für die Eventbranche eröffnen sich vor allem bei Großveranstaltungen völlig neue Möglichkeiten: Zum Beispiel können Planungen leicht verständlich präzisiert werden (wo soll XY platziert werden?) und auch bei dem Service gegenüber den Gästen hilft das System von what3words (XYZ finden Sie …) .

Jetzt gilt es, die Möglichkeiten dieser Technologie auszuloten und kreative Umsetzungen zu finden. Die App von what3words gibt es übrigens kostenlos für iOS und Android.

PS: Und wer jetzt nach Traumadressen sucht, dem sei gesagt: lieben.hoffnung.freude liegt in Shanghai, China, finde.beste.lösung im Urwald von Venezuela und geld.erfolg.ruhm gibt es im kleinen Waldow zwischen Cottbus und Berlin.

Das Büro der Ausbrecher übrigens ist hier zu finden: immer.abspielen.seine

Ich nenne es Pornojournalismus

Es gibt eine neue Form von Journalismus, die sich unbemerkt breit gemacht hat. Sie macht an, setzt auf Spektakel und die Befriedigung der niederen Instinkte und hat zumeist so wenig zu tun mit der Realität wie ein Pornofilm mit realem Liebesleben. Deswegen nenne ich es Pornojournalismus.
Wer glaubt, ich würde über Boulevardjournalismus schreiben, irrt. Pornojournalismus findet sich auch in Pressemitteilungen, Qualitätsblättern und Öffentlich-Rechtlichen Medien. Ich werde darüber berichten.

Der neue Asterix: Die Römer haben ’nen Vogel

Asterix und das Papyrus des Cäsar. Szene aus dem gallischen Dorf

Liebevoll gezeichnete Charaktere, detailreiche Bilder. Der neue Asterix-Band 36

Die moderne Kommunikation ist jetzt auch im letzten Jahrhundert vor Christus angekommen. Im neuen Asterix-Band „Der Papyrus des Cäsar“ – dem 36. Asterix-Band insgesamt und dem zweiten Asterix von Jean-Yves Ferri und Didier Conrad – dreht sich alles um die Kommunikation. Zentraler Charakter ist ein „Kolporteur“, der unverkennbar WikiLeaks Chef Julien Assange nachempfunden ist und der ein unrühmliches und totgeschwiegenes Kapitel von Cäsars Geschichte der Öffentlichkeit zugänglich machen will. Mehr sei hier nicht über den Inhalt verraten, um das Lesevergnügen nicht zu trüben.

Lohnt es sich, den neuen Asterix zu kaufen? Ferri und Conrad haben eine Geschichte geschaffen, die manchmal etwas hudelt. Man merkt der Geschichte an, dass sie im Zeitalter des Internets geschrieben wurde. Nichts darf mehr dauern, alles muss sofort angekommen sein und alles muss untergebracht werden. Und so geht nur teilweise die Stringenz der Handlung, sondern auch etwas von der liebevollen Entschleunigung, die dem kleinen gallischen Dorf eigentlich inne wohnt, verloren. Bei Asterix kehrt Hektik ein.

Asterix Band 36 - Ein Ausschnitt aus dem neuen Asterix

Asterix in Eile: Die Hektik schadet der Story

Entsprechend verfügen die Römer jetzt auch über ein antikes Twitter. Dass die Vögel die heimlichen Gaststars sind, deutet sich schon dezent im ersten Bild an. Und damit wird durchaus eine der Stärken der alten Asterix-Erzählungen fortgesetzt. Die Bilder sind liebevoll und detailreich gezeichnet und erzählen manch kleine Nebengeschichte. Zum Beispiel die von Idefix, der für klare Verhältnisse sorgt, wo Obelix schwächelt. Oder eben die der Vögel, die im neuen Asterix fast omnipräsent sind.
Der neue Asterix „Der Papyrus des Cäsar“ lohnt sich zu lesen, wenngleich die Subtilitität der Bilder auch der Story ganz gut getan hätte. Er stärkt die Hoffnung, die ich schon vor zwei Jahren hatte: Dass das neue Autorengespann den Mumm und die Fähigkeiten haben, Asterix neues Leben einzuhauchen. Und dass sie auch sehr selbstbewusst ihre Sache angehen, zeigt sich auf bereits auf der Titelseite: Noch nie zuvor war auf der Titelseite eines Asterix-Bandes nicht der Name Uderzo unter der Zeichnung. Diesmal steht dort unten rechts ganz souverän: Conrad.