iPhone 5S mit Fingerabdrucksenor – Vorteil NSA

Heute will Apple sein neues iPhone vorstellen. Viele Gerüchte deuten darauf hin, dass es einen neuen Homebutton mit Fingerabdrucksenor bekommt. Der Vorteil: Endlich muss man kein Passwort mehr eingeben. Der Nachteil: Die NSA dürfte dann bald auch die Fingerabdrücke von allen iPhone Usern haben.

Wie ich darauf komme? Ganz einfach. Die Enthüllungen seit Snowden lassen – kurz gesagt – ein klares Muster erkennen. Die NSA sammelt alles was möglich ist. Unternehmen wie Apple, Microsoft, Google und Yahoo werden mit welchen Methoden auch immer für eine Zusammenarbeit gewonnen. Und was für die NSA noch nicht möglich ist, daran wird mit Sicherheit gearbeitet – denn gewünscht ist sicherlich alles, was machbar ist. Selbstverständlich nur zum Guten und wegen der internationalen Sicherheit.

Wenn wir also mal zusammenzählen, was ein Smartphone / iPhone jetzt alles an die US-heimischen Zentralen funkt, wird es gruselig. Personendaten, Daten- und Sprachkommunikation, Bewegungsmuster und nun auch den eigenen Fingerabdruck. Ganz ehrlich: Ich finde das gruselig – wem geht es auch so?

Von Mord und Mechanismen

Da ist also dieser Spot, produziert von ein paar Studenten „einer Filmhochschule“, der seit drei Tagen im Netz ist und der gerade beginnt – getragen von begeisterten einzeiligen Kommentaren – viral verbreitet zu werden. Und in der Tat, der Spot macht es einem leicht, ihn zu mögen. Stilvoll produziert und am Ende gewinnt scheinbar das Gute, denn Adolf Hitler wird von einem Mercedes überfahren und getötet, von bevor er sein furchtbares, unmenschliches Werk beginnen kann. Adolf Hitler wird in dem Spot getötet, als er ein Kind ist. Und korrekterweise muss man sagen: Er wird hingerichtet. Denn er Spot endet mit dem werbewirksamen Spruch, „Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen.“

Ich kann und möchte die Begeisterung für diesen Spot nicht teilen. Und so unpopulär, wie das sein mag: Mich widert dieser Spot an und ich bin entsetzt, wie aufgeklärte Menschen ihn gut finden können. Denn dieser Spot, verkauft für eine billige Pointe die Grundrechte, an die ich glaube und auf denen unsere Gesellschaft basiert.

Der Artikel 2 unseres Grundgesetzes beschreibt die Unverletzlichkeit des Menschen: „Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“

Hier ist es aber ein Auto das eingreift, das über das  Recht zu leben bestimmt, ein Automatismus, der selektiert, was gut und was gefährlich sein soll. So ein bisschen wie die NSA, die alle Kommunikation von uns überprüft und natürlich nur das Gefährliche heraus filtert.

Dieser Vergleich ist nicht so absurd, wie man zunächst denken mag, denn beiden liegt die selbe Idee zu Grunde: Das Böse verhindern, bevor es passiert. Aber tatsächlich funktioniert das nicht. Jedenfalls nicht so. Nicht durch einen Automatismus und nicht durch Maschinen.

Wir müssen uns mit dem Bösen auseinandersetzen. Als Gesellschaft tragen wir dazu bei, dass das Böse zu fördern oder in Bann zu halten.

Hitler hatte Erfolg, weil er Gehör gefunden hat mit seinen kranken, widerwärtigen und menschenverachtenden Ideen. Weil er getragen wurde von einer Gesellschaft, die ihn ermächtigt hat. Er war kein Einzeltäter. Er hat viele Helfer und einen Großteil der Bevölkerung, der seine Taten schweigend mitgetragen hat.

Dieser Spot negiert diese Tatsachen und macht Hitler zu einem Einzeltäter. Einem, der das Unheil magisch über uns gebracht hat und den man deswegen besser schon als Kind hätte töten sollen. Was ist der Schluss daraus? Lass uns den nächsten Hitler finden und schon als Kind – als Unschuldigen töten? Lass uns das von einer Maschine erledigen, damit wir uns die Hände nicht schmutzig machen?

Hey, der Spot ist witzig, mag man einwenden. Ein Spot eben. Lass mal gut sein.

Nein, das ist nicht witzig, nicht brilliant, nicht hervorragend (wie in Kommentaren zu lesen ist). Die Filmstudenten haben einen Werbespot inszeniert, in dem ein Kind überfahren wird, und diese Tat wird als positiv und vorteilhaft dargestellt. Das ist widerwärtig und menschenverachtend. Ich hoffe, dass die Studenten dafür auf das Schärfste von ihrer Filmhochschule verwarnt (und bitte aufgeklärt) werden. Denn ihnen fehlen gesellschaftliche Verständnis, ein Wertkanon, Sensibilität und Augenmaß. Selbstjustiz und Mord dürfen nicht beworben werden. Das ist nicht witzig. Und schon gar keine Werbung für eine Marke. Wäre ich Mercedes, ich würde auf das Schärfste gegen diesen Spot vorgehen.

Mehr Selbstironie für Politiker

Wer kann sich Angela Merkel vorstellen, wie sie sich selbst auf die Schippe nimmt? Oder Peer Steinbrück? Horst Seehofer? Philipp Rösler? Jürgen Tritten?

Ich kann es nicht. Witze und Häme über die politischen Gegner – das geht immer. Aber öffentlich eine kritisch-humorvolle Auseinandersetzung mit sich selbst? In Deutschland ist das derzeit undenkbar. Dabei wäre es so gut und wichtig. Denn wer sich selbst nicht so ernst nimmt, wirkt glaubwürdiger, bodenständiger und liebenswerter.

Wie man sich selbst durch den Kakao zieht, ohne die Würde zu verlieren, zeigt ausgerechnet der mächtigste Mann der Welt: Barack Obama. Und auch Bill Clinton „final days in office“ sind legendär.

Liebe deutschen Politiker, guckt euch das mal an. Und werdet mal ein bisschen lockerer.