Wild werdende Wisente

Was Yvonne, der Kuh versagt blieb, steht nun acht Wisenten bevor. Ein Leben in Freiheit – in der Wildnis. Sofern man das sagen kann, wenn es um deutsche Landschaften geht. Die Wisente werden ins Sauerland entlassen und sind darauf trainiert worden, sich vor Menschen zurückzuziehen.

Die Idee hinter der Aktion: Die hierzulande seit langem ausgerottete Tierart soll wieder angesiedelt werden.

Ich finde das ausschließlich klasse.

Schludern die Politiker bei der Suche nach dem neuen Bundespräsidenten?

„Schon vor Aschermittwoch“. Claudia Roth war gestern bei Günther Jauch davon überzeugt, dass sich die Parteien CDU, CSU, SPD, B90-Grüne und FDP auf noch während der Karnevalstage auf einen „Konsenskandidaten“ einigen.

Da nach der Kandidatenkür der Wahlkampf entfällt und auch die Wahl in der Bundesversammlung auch nur Formsache sein dürfte, stellt sich mir die Frage: Ist das nicht schon wieder überstürzt und halbgar? Wir haben doch 30 Tage Zeit. Und wer ein starker Bundespräsidenten sein möchte, sollte sich ein paar Tage Bedenkzeit nehmen, um sich gründlich zu überlegen, ob sie oder er das Amt ausfüllen kann und vielleicht auch schon, welche Akzente sie oder er setzen könnte.

Ehrlich gesagt, einem Kandidaten, der sofort parat steht, würde ich unterstellen, dass er nicht die Tiefe und Bedeutung des Amtes nicht ausloten kann. Und bis Aschermittwoch ist nicht genug Zeit um sich auf einen Kandidaten zu einigen, diesen zu fragen und dessen Einverständnis zu bekommen. Aschermittwoch ist nur ein Lieblingstag im Kalender der Politiker, weil sie da so toll über alle anderen vom Leder ziehen können. Aber so etwas darf die Wahl zum Bundespräsidenten nicht bestimmen.

Deswegen frage ich: Sollten wir uns nicht noch ein bisschen mehr Zeit lassen, um wirklich den besten Kandidaten oder die Kandidatin zu finden?

 

PS: Auf Facebook habe ich eine Seite „Bundespräsidentenwahl“ angelegt, wo jeder diskutieren kann – denn offiziell werden wir ja gar nicht gefragt und so haben wir wenigstens eine kleine öffentliche Stimme.

Als ob das Wörtchen „denn“ nicht wär.

Meinung hat Konjunktur: Die Talkshows der Nation werden immer mehr, die Bildzeitung ist Experte in der Meinungsmache durch Schlagzeilen mit Fragezeichen und das neue, vielgehypte Berliner Portal Amen behauptet von sich, der beste Ort zu sein, um seine Meinung mitzuteilen. Amen. Ist halt so. Kein Grund.

Überhaupt scheinen Begründungen überhaupt nur noch zu stören. Selbst Heribert Prantl, einer der profiliertesten seriösen Kommentatoren in Deutschland, scheint mittlerweile lieber zu behaupten als zu begründen.

In seinem aktuellen Kommentar zur heutigen Entscheidung des Verfassungsgerichts postuliert Prantl ausführlich, dass die Möglichkeiten des Grundgesetzes „bis zum letzten Rest“ ausgeschöpft sind. Allein einen Beleg dafür liefert er nicht. Nicht mal einen konkreten Hinweis darauf, auf welche Grundgesetz-Artikel er sich bezieht. Meinung wird zur Glaubenssache. Amen.

Bei den alten Griechen – haben wir in der Schule gelernt – war die Argumentation eine hohe Kunstform. Heute wird lieber behauptet – und zur Verstärkung gerne das Wort „alternativlos“ angehängt. Ich bilde mir aber sehr gerne meine Meinung, indem ich verstehe statt zu glauben. Deswegen frage ich mich: Wann feiert das Argument wieder ein Comeback?